Editorial

Rente: Auf die nächsten 15 Jahre kommt es an

2026 | Jahrgang 23 | 2. Quartal

Das deutsche Rentensystem steht durch die Alterung der Bevölkerung unter Druck. Umso wichtiger ist es, die Zahlen genau zu betrachten. Eine gute Nachricht vorab: Wir können relativ sicher voraussagen, wie sich die ältere Bevölkerung in den nächsten 15 Jahren entwickeln wird. Das liegt daran, dass ab dem Alter 40 nur noch wenige Menschen international umziehen. Daher hängt die Entwicklung dieser Altersgruppe stark von deren Lebenserwartung ab. Diese ist relativ gut vorherzusagen. Bei den aktuellen Debatten über den Renteneintritt der großen Babyboomgeneration darf nicht vergessen werden, dass die Zahl der Rentenbeziehenden sich nicht nur aus der Größe der Geburtsjahrgänge ergibt. Auch die Rentenbezugsdauer, welche vom Renteneintrittsalter und der Lebenserwartung im höheren Alter abhängt, spielt eine wichtige Rolle. Wesentlich ist außerdem, wie lange Menschen tatsächlich arbeiten. Bei der Erwerbstätigkeit im höheren Alter hat sich viel getan. Im Alter um die 60 Jahre gehört Deutschland heute in Europa zu den Ländern mit den höchsten Erwerbsquoten. Allerdings hat sich im Alter ab 65 Jahren bei der Erwerbstätigkeit in den letzten Jahren wenig bewegt. Trotz des schrittweisen Anstiegs des gesetzlichen Renteneintrittsalters auf bald 67 Jahre liegt das faktische Renteneintrittsalter aktuell bei 64,4 Jahren. Bei der Lebenserwartung verzeichnet Deutschland seit etwa 2010 deutlich geringere Anstiege als in den vorherigen Jahrzehnten. Aber auch hier muss genauer hingeschaut werden, denn es gibt unter den Rentenempfangenden starke Unterschiede: So steigt die Lebenserwartung von Personen mit hohen Renten durchschnittlich weiterhin relativ stark, während sie bei Personen mit niedrigen Renten weniger stark wächst. Hierdurch nehmen die Rentenbezugsdauern bei Personen mit hohen Renten in höherem Maße zu, was sich zusätzlich steigernd auf die Rentenausgaben auswirkt. Zum Abschluss eine schlechte Nachricht und ein optimistischer Ausblick: Das Verhältnis von erwerbsfähiger zu nicht erwerbsfähiger Bevölkerung wird sich bis 2040 noch einmal deutlich verschlechtern. Wenn Deutschland aber die demografischen Herausforderungen der 2030er-Jahre gut übersteht, wird um 2040 eine Stabilisierung des Verhältnisses erfolgen, wenn auch auf einem ungünstigeren Niveau als heute.

 

 

 

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Aus Ausgabe 2026/2

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